12. Oktober 2008

Hyundai, das beste Auto der Welt...?!?

Seit einer Woche gab es hier keine Änderungen mehr. Wir verfallen auch immer mehr in die Uni-Routine, sodass es nur noch kleine Ereignisse gibt, die ich in einem Blogeintrag zusammenfassen kann.
Am Samstagabend (04.10.2008) ging es wieder in Richtung Innenstadt zum Hang River. Geplant war ein ruhiger Abend mit einer Feuerwerksshow. Viel zu spät ging es mit der Uni in Richtung U-Bahnhof Yeouinaru. Dort konnten wir dann aber schon einen Punkt von unserem Plan streichen. -Ruhig- Der U-Bahnhof war gnadenlos überfüllt. Überall standen Polizisten die den Leuten erklärten auf welcher Seite sie zu gehen haben (ist ja auch nicht so leicht, wenn man mit dem Auto auf der rechten Seite fährt aber auf der linken Seite laufen soll). Draußen ging es auch keinen Meter vorwärts. Ich fand das Spektakel aber dennoch sehr amüsant. Denn ich brauchte mir auf Grund meiner Größe keine Sorgen machen verloren zu gehen. Das einzig schlimme war, dass wir uns in Richtung Osten gedrückt haben, aber viele Menschen auf Grund einer Fehlmeldung sich versucht haben nach Westen durch zu schlagen. Was für ein Chaos. Als ob die Menschen noch nie ein Feuerwerk gesehen haben. Nach dem von der einen Stunde Feuerwerk bereits 30min verstrichen waren, haben wir es dann auch zu einem etwas ruhigeren Punkt, wo man das Feuerwerk auch sehen konnte, geschafft. Es war schon nett anzusehen aber verglichen zu den Pyronalen in Deutschland war es auch nicht mehr. Nach dem sich am Ende die Menschenmassen wieder zurück zur U-Bahn gequält haben, sind wir in Richtung G25 Supermarkt (der auf einen Schiff ist) gelaufen und noch ein paar andere Leute zu treffen. Dort ging das Chaos weiter. Es durfte nur immer eine bestimmte Anzahl an Leute in den Markt. Beim Warten haben wir aber auch noch eine andere amüsante Situation gesehen. Eine Gruppe Polizisten (in Korea gibt es für „jeden“ Kerl eine 2jährige Wehr- bzw. Polizeipflicht. Das kann sich derjenige aussuchen. Dafür sind die Polizisten dann aber auch sehr jung und doch recht schmal und schmächtig) ist bei uns vorbei marschiert. Vorne und hinten einer mit Lampe und los ging es. Nein, dass ist noch nicht spannend. Der Punkt ist, dass nach die Polizisten nach jeder noch so kleinen Situation durchgezählt werden, sodass auch keiner verloren gehen kann. Die achten hier echt auf ihre Jugend (Zukunft)… nach einem Sandwich und Bier bei G25 ging es auch wieder heim.
Am Sonntagabend ging es zum Hi-Seoul-Festival an der City Hall. Nebenbei hier gibt es verdammt viele Festivals. Jedes kleinste Ereignis wird auf extra dafür aufgebauten Bühnen gefeiert. Leider wissen wir nicht immer, warum die Menschen etwas bestimmtes feiern. Beim Hi-Seoul spielten verschiedene Bands darunter auch No Brain. Leider ist es hier üblich, dass die ersten Reihen bestuhlt sind und die Zuschauer steif raumsitzen. Das hatte sich dann bei den letzten Liedern glücklicherweise geändert.
Am Dienstagabend waren wir beim Jazzfestival. Dort gibt es einen Monat lang jeden Abend Jazzmusik für 70cent. Das sollte man auch mal in Deutschland einführen. Kultur für lau. Die Atmosphäre wurde erst mit der passenden Lümmelpostion auf den viel zu harten Holzbänken angenehm. Die an diesem Abend gespielte Jazzmusik war von der langsameren Gangart aber dennoch sehr angenehm zu hören. Leider gab es zwischen den Liedern immer eine 10min Pause. Aber nicht weil irgendwelche Grundbedürfnisse befriedigt werden mussten, sondern nur schlicht aus dem Grund, dass sich die Sängerin vor jedem Lied mitteilen musste. Leider auf koreanisch und mit viel zu viel Drogen im Körper. Anders lässt sich der langsame und mit vielen ohh’s und ahh’s gespickte Monolog nicht erklären. Aus wirtschaftlicher Sicht aber vollkommen in Ordnung. 70cent für 2 Stunden Unterhaltung und eine Stunde Musik kann mit der Kosten-Nutzen-Analyse positiv bewertet werden. Es wird auch sicher nicht das letzte Konzert für uns gewesen sein.
Am Donnerstag stand ein Besuch vom Hyundai Werk (Asan) an. Das ganze wurde von unserem Professor in Korean culture and management organisiert. Ich möchte aber noch einen Schritt zurück gehen. Vor eine Woche hatte der Dozent noch gefragt, wer alles nicht am Ausflug teilnehmen will. Es hatte sich keiner gemeldet. Im Endeffekt saßen 15, pardon inklusive Busfahrer und Dozent, 17 Personen im Bus, der für 40 ausgelegt ist.
Viel Platz um die 2 Stunden Fahrt zu verschlafen. Bei der Ankunft haben wir auch gleich Funkkopfhörer bekommen und auf ging es in das erste Werk. Die Erklärung kam von einem PR-Verantwortlichen, der zwar fließend Englisch konnte. Doch leider hatte er die Aussprache noch immer im Koreanisch-Modus. Im ersten Werk konnte man sehen, wie die Bleche zu Karosserieteilen gepresst und anschließend verschweißt wurden. Wir ihr auf den Bildern sehen könnt (Fotografieren war strengstens verboten –ich habe auch keine gemacht, ich habe für solche Aufgaben meine Leute-) konnte man relativ nah an die Roboter und Arbeitsstätten heran. In der Halle arbeiten 6x soviele Roboter wie Menschen. Anschließend gab es eine Präsentation (die grünlich gefärbten Bilder) im Empfangshaus. Danach ging es in die Halle der Endmontage. Dort waren wieder mehr Arbeiter zu sehen. Wir konnten das ganze Geschehen aus dem 2. Stock von einer „Zuschaulauffläche“ bestaunen. Am Ende gab es dann noch ein Modellauto von der Hyundaiart, die dort u.a. produziert wird und ein paar Abschiedsworte –Qualität, vielen Dank für den Besuch, Zukunft, die neue Nummer 1, Qualität, Zufriedenheit mit anderen Worten ich werde mir wohl irgendwann auch so eine Reisschüssel zu legen. Nach seinen Worten kann das Auto alles und ist auch alles. Wie auch immer, die Fahrt war kostenlos, da kann er dann auch ein bisschen Werbung für seinen Arbeitgeber machen. Und nach einer Stunde ging es dann wieder zurück nach Seoul. Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass der Bus das schnellere Fortbewegungsmittel auf Autobahnen ist. Busse haben nämlich ihre eigene Spur und können so am Stau vorbeifahren. Auch so fahren die Busse schneller als 80% der Autos von den Spuren daneben.
Am Samstag ging es für mich zur Seoul Station. Dort gibt es einen Lotte Mart. Der erste Markt, der mit einem deutschen Supermarkt vergleichbar ist. Dort gibt es von Klamotten, über Fisch zu Fernsehern alles. Auch lebende Fische und Meerschweinchen. Doch alles einen Tick günstiger als in den kleinen Märkten in unserer Gegend. Zwei Signifikante Unterschiede gibt es aber doch im Vergleich zu deutschen Märkten. Für etwa alle 2 Regalreihen ist eine Verkäuferin zuständig. Ich weiß nicht, ob diese Provisionen erhalten, aber sie machen schon mächtig Werbung für die Produkte ihrer Abteilung. Das lässt die Lautstärke schnell auf den Pegel eines Jahrmarkts ansteigen. Der andere Unterschied ist, dass es dort eine Riesenauswahl am frischen Fisch und Fleisch gibt. Zu fast jedem Kühlregal gibt es einen kleinen Grill, wo das Fleisch schon einmal probiert werden kann. Ich habe im Endeffekt aber nur Tee (einen Teil des Tees habe ich kostenlos bekommen, da ich als Ausländer doch sooo nett bin oder wohl eher weil ich inkl. Kanne genügend Umsatz gemacht hätte. Was die Verkäuferin aber nicht weiß. Ihre Kanne liegt 8 Regale weiter bei den Töpfen, denn ein billiges Sieb ist für mein Vorhaben Tee zu kochen mehr als ausreichend), Suppen und 2 Federballschläger gekauft. Mit den Schlägern auf den Rücken bin ich anschließend quer durch die Innenstadt Seouls gelaufen. Das stand zwar erst gar nicht so auf meinem Plan, aber das schöne Wetter, die nette Aussicht und die guten Lieder meines MP3-Players haben mich immer weiter laufen lassen. Ab durch die Hintergassen zurück zur Wohnung (in 4 Stunden).

Die restliche Zeit der Woche habe ich mit Lernen, Sport oder nichts-tun verbracht.
Achja das Personalpronomen „wir“ steht nicht für eine schizophrene Ader. Ich will nur keinen mit den ganzen Namen der anwesenden Personen langweilen. (Ich bin einfach zu faul) und bei 5 Mio Menschen die beim Feuerwerk waren, wird die Liste mit den ganzen Lees, Kims und Parks relativ schnell lang.